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Studie Gewalt gegen Frauen

Analyse von Gewaltdelikten an Frauen und die Rolle der Medien

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Ringvorlesung "EineR von fünf" präsentiert MediaAffairs ihre aktuelle Studie zur Medienberichterstattung über Gewaltdelikte an Frauen im Jahr 2019, die von der Volksanwaltschaft gemeinsam mit AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und dem Zentrum für Gerichtsmedizin der MedUni Wien initiiert wurde. Mitfinanziert wurde die Studie vom Sozial- und Frauenministerium.

Neue Studie zur Berichterstattung zu Gewalt and Frauen und die Rolle der Medien

Am 23.11. wurde in der Volksanwaltschaft die Studie „Gewalt gegen Frauen – Analyse der Berichterstattung über Gewaltdelikte an Frauen und die Rolle der Medien“ präsentiert. Im Kontext von Information, Aufklärung und Bewusstseinsbildung in einer Gesellschaft spielen Medien eine zentrale Rolle. Sie können und sollten laut Istanbul-Konvention einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung  und damit zur Primärprävention gegen Gewalt an Frauen leisten. Die groß angelegte Medienstudie über ein Jahr in reichweitstarken österreichischen Massenmedien (Kronen Zeitung, Kurier, Standard, Presse, Österreich, Heute inkl. deren Facebook-Kanälen) bestätigt, dass die Thematik aus gesellschaftspolitischer Perspektive medienübergreifend kaum beleuchtet wird. Es sind fast immer Einzelfälle, die im Fokus stehen. Die inhaltliche Auswertung der Medienbeiträge zeigt zudem, dass es insbesondere in den reichweitenstarken Boulevardmedien eine sensiblere, differenziertere und sachlichere Auseinandersetzung mit dem Thema braucht.

„Gewalt an Frauen wird meist erst dann Gegenstand der Berichterstattung, wenn die Gewaltspirale im Mord eskaliert. Die so oft stattfindende Alltagsgewalt an Frauen, insbesondere in den eigenen vier Wänden, wird weitestgehend verschwiegen“

so Studienautorin und MediaAffairs-Geschäftsführerin Maria Pernegger.
Die Studie verweist außerdem auf ein deutliches Gefälle zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien in der Art und Weise der Berichterstattung:

„Sensationslust, Voyeurismus in der Aufbereitung, das Ausschlachten von Stories zulasten der Opfer und Angehörigen haben in der Berichterstattung über Gewalt an Frauen nichts verloren und widersprechen klar den ethischen Maßstäben im Journalismus“

resümiert Pernegger, die dabei besonders das Boulevardblatt „Österreich“ in die Pflicht nimmt.
Dazu Maria Rösslhumer, AÖF-Geschäftsführerin und Leiterin der Frauenhelpline 0800 222 555:

„Gewalt an Frauen und Mädchen ist die größte Pandemie schlechthin. Jede dritte Frau weltweit ist ab dem 15. Lebensjahr mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt durch Männer betroffen. Bei der Frauenhelpline sind die Anrufe seit März um 40% gestiegen und die Betretungsverbote haben um 22% zugenommen. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist, weil viele Frauen nicht die Möglichkeit haben dem Gewalttäter zu entfliehen – aufgrund der erneuten Ausgangsbeschränkungen sind Familien oft rund um die Uhr beisammen. Beengte Wohnverhältnisse, Arbeitslosigkeit sowie Stress und Überforderung mit Home Office und Homeschooling können dabei schnell zum Auslöser von körperlicher und/oder psychischer Gewalt von Männern gegen Frauen und Kinder werden.“

Die Studienpräsentation stellt ein zentrales Element in der heurigen Vorlesung „EineR von fünf“ dar, welche von Prof.in Andrea Berzlanovich vom Zentrum für Gerichtsmedizin der Uni Wien initiiert wird.
Diese sagt:

„Die jährlich stattfindende Ringvorlesung „Eine von fünf“ hat das Ziel, die Problematik „häusliche Gewalt“ Studierenden verschiedener Fachrichtungen bestmöglich bewusst zu machen. Vortragende aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen weisen auf das erschreckende Ausmaß von Gewalt hin, um präventiv der Tabuisierung und Verharmlosung des Themas entgegenzuwirken.“

Die Auftaktveranstaltung zu „EineR von fünf“ wurde online via Livestream aus der Volksanwaltschaft übertragen. Dieser kann hier nachgesehen werden.

Berichterstattung zur Studie:
Der Standard: "Studie über Gewaltberichterstattung: Es muss erst ein Mord passieren"

Puls24: "Berichte zu Gewalt gegen Frauen: 'Einige Schieflagen zwischen den Medien'"

 

Fotocredit Titelbild: AdobeStock

Die Studie von MediaAffairs zum Download finden Sie hier

Rückfragen:
Mag.a Maria Pernegger
m.pernegger@mediaaffairs.at

24.11.2020