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Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch

Was die Branche derzeit bewegt

Dass sich die hiesige Medienbranche in schwierigem Fahrwasser befindet, wurde bereits in unserem letzten Beitrag beleuchtet.1 Seither hat sich die Situation kaum verbessert, sondern eher weiter zugespitzt.

So zeigt etwa der aktuelle Digital News Report, dass das Vertrauen in die Medien weiter bröckelt. Fast jede/r Dritte gibt an, kein Vertrauen in die Nachrichten zu haben. Nur 40%, also deutlich weniger als die Hälfte, vertraut den Nachrichten im Allgemeinen. Ein interessanter Nebenaspekt: Das Vertrauen ist zwar bei Menschen, die sich politisch rechts verorten am stärksten gesunken, aber auch bei Personen mit prononciert linker sowie mittiger politischer Einstellung haben die Medien im Vorjahresvergleich stark an Vertrauen eingebüßt. Einzig im mitte-links Spektrum und bei Menschen mit hohem Einkommen konnte ein Vertrauenszuwachs beobachtet werden.

Genährt wird dieser Vertrauensverlust mit Sicherheit auch durch die Inseratenvergabepraxis der Bundesregierung, die noch immer in der Kritik steht.3 Die wahrgenommene Unabhängigkeit befindet sich auf einem Tiefpunkt: Über 40% der Befragten vermuten einen unzulässigen Einfluss auf die Medien durch Politik, Regierung und Unternehmen. Nur knapp ein Viertel glaubt nicht, dass es solche Einflüsse gibt. Darüber hinaus geht jede/r Vierte davon aus, dass kommerzielle Interessen für die meisten österreichischen Nachrichtenmedien überwiegen, während nur etwa 15% glauben, dass das Wohl der Gesellschaft an erster Stelle steht.2  

Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht scheint kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar zu sein. Neben sinkenden Werbeeinahmen und Abo-Erlösen belasten die stark gestiegenen Papierpreise die Printmedien zusätzlich. Paradoxerweise befindet sich insbesondere die Fellner-Gruppe, die überproportional von Regierungsinseraten profitiert – wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt3 – in einem finanziellen Dilemma. Journalistisches Personal wurde abgebaut und eine ganze Etage im Redaktionsgebäude geschlossen.4 Zuletzt wurde auch bekannt, dass die eigene Druckerei aufgegeben wird und zukünftig über den konkurrierenden Mediaprint Verlag gedruckt werden soll.5 Darüber hinaus  wird die Sonntags-Ausgabe von „Österreich" nur mehr digital herausgegeben, weil eine kostendeckende Produktion in Printform nicht mehr möglich sei. Gleichzeitig versucht man mit OE24.at Anteile am deutschen Medienmarkt zu gewinnen, um die wirtschaftliche Existenz abzusichern.6 Sollte dies nicht gelingen, könnte eine weitere Konsolidierung des österreichischen Medienmarktes bevorstehen.  

Aktuelle Erhebungen zeigen, dass der Online-Anteil der Mediennutzung immer weiter steigt.7 Die Zukunft wird sich also auch im print-affinen Österreich früher oder später im Netz abspielen. Der Online-Markt ist aber stark umkämpft und bisher nur wenig lukrativ. Die privatwirtschaftlich organisierten Medienunternehmen sehen sich nicht nur mit US-Giganten wie Google oder Facebook am Werbemarkt konfrontiert, auch der überwiegend gebührenfinanzierte ORF ist mit seiner marktbeherrschenden Stellung eine Herausforderung.  

Gespannt blickt man daher auf die Umsetzung eines Entscheids des Höchstgerichts, wonach der ORF zukünftig auch für Streaming Angebote GIS Gebühren erheben darf.8 Um konkurrenzfähig zu bleiben hofft die Verlagsbranche zumindest auf Zugangsbeschränkung für textbasierte Online-Angebote von ORF.at, da man mit den kostenfreien Artikeln langfristig kaum mithalten wird können. 

Literatur:

1. MediaAffairs. JOURNALISMUS IN DER BREDOUILLE? https://mediaaffairs.at/aktuellebeitraege/medienmarkt/journalismusinderbredouille.html. 

2. Digital News Report Österreich. http://www.digitalnewsreport.at/. 

3. Neue Studie ‘Scheinbar transparent III’ wurde präsentiert | medienhaus wien. http://www.mhw.at/cgi-bin/page.pl?id=400. 

4. Das System Fellner franst aus - oe1.ORF.at. https://oe1.orf.at/artikel/695239/Das-System-Fellner-franst-aus. 

5. ‘Österreich’ und ‘Oe24’ geben ihre Druckerei auf und produzieren bei ‘Krone’/"Kurier"-Tochter Mediaprint - Mediengruppe Österreich - derStandard.at › Etat. https://www.derstandard.at/consent/tcf/story/2000137836990/oesterreich-und-oe24-geben-ihre-druckerei-auf-und-produzieren-bei. 

6. Mediengruppe Österreich expandiert mit oe24.at nach Deutschland - Mediengruppe Österreich - derStandard.at › Etat. https://www.derstandard.at/consent/tcf/story/2000138358456/mediengruppe-oesterreich-expandiert-mit-oe24at-nach-deutschland. 

7. Verein Media Server || Daten. https://vereinmediaserver.at/daten. 

8. GIS-freies Streaming von ORF-Programmen ist verfassungswidrig. https://futurezone.at/netzpolitik/orf-streaming-gis-gebuehr-programmentgelt-verfassungswidrig-paywall-vfgh/402079672 (2022). 

Rückfragen:
Manuel Bonat
m.bonat@mediaaffairs.at

Fotocredit Titelbild: © photokozyr Adobe Stock 

31.08.2022