Medienkonsum im Umbruch:
Social Media und KI verändern die Spielregeln
Das Vertrauen in klassische Medien- und Nachrichtenformate sinkt, soziale Netzwerke gewinnen weiter an Bedeutung und KI verändert nicht nur die Informationssuche, sondern den Journalismus insgesamt. Der Digital News Report 2026 zeigt, wie stark sich die österreichische Mediennutzung verändert.
Bereits zum neunten Mal gibt der Digital News Report Austria Auskunft zu den Zahlen und Trends in der österreichischen Medienlandschaft. Auf Basis des internationalen Digital News Report sind globale Entwicklungen der letzten Jahre nun auch in Österreich angekommen. Das Reuters Institute befragt hierzu in 48 Ländern fast 100.000 Menschen zu ihrer Mediennutzung, davon knapp über 2.000 in Österreich.
Vertrauen in Österreich über dem internationalen Durchschnitt
Weltweit ist das allgemeine Vertrauen in Nachrichten auf einem Tiefpunkt. In Österreich liegt es mit rund 39 Prozent gerade noch über dem globalen Durchschnitt von knapp 37 Prozent und bleibt zum letzten Jahr recht stabil. Dennoch ist die Entwicklung im Allgemeinen dramatisch. Der Anteil jener, die den Nachrichten gar nicht vertrauen, liegt wie im Vorjahr noch bei 29 Prozent. Das Vertrauen betrug seit 2020 nie über 47 Prozent. Das klare Gefälle zwischen Qualitäts- und Boulevardmedien wird im Report sichtbar.
Wie junge Zielgruppen erreicht werden
Soziale Medien haben sich in Österreich zur zweitwichtigsten Hauptnachrichtenquelle entwickelt und liegen damit bereits vor zahlreichen klassischen Mediengattungen. Für 18,3 Prozent der Gesamtbevölkerung ist Social Media die Hauptnachrichtenquelle, das sind 3,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. In der jüngsten Befragungsgruppe der 18-24-Jährigen sind es ganze 46,7 Prozent. 2025 waren es noch knapp über 33 Prozent. Neben Journalist:innen werden Influencer:innen und Creators in der Nachrichtenverteilung wichtiger. Nachrichten verlagern sich somit neben vereinzelten Plattformen auch auf einzelne Personen.
Es sind aber nicht nur die jüngeren Generationen, die in den sozialen Netzwerken News konsumieren. Facebook bleibt generationenübergreifend die meistgenutzte Nachrichtenplattform mit über 30 Prozent Reichweite. In der Gesamtbevölkerung bleibt jedoch das Fernsehen mit 29,7 Prozent die Hauptnachrichtenquelle Nummer eins.
Künstliche Intelligenz transformiert den Markt
Neben den sozialen Medien verändern KI-Chatbots die Medienlandschaft grundlegend. Sie genießen von Jahr zu Jahr mehr Vertrauen und sind vor allem in der jüngeren Generation ein radikaler Game Changer. Rund ein Viertel der Befragten unter 35-Jährigen gibt an, KI-Antworten im Zusammenhang mit News zu vertrauen. Über alle Altersgruppen liegt das Vertrauen dennoch nur bei 14,8 Prozent. KI-Chatbots spielen als zentrale Nachrichtenquelle bislang kaum eine Rolle: Weniger als ein Prozent nutzt sie als primäre Nachrichtenquelle. Insgesamt verwenden jedoch bereits rund sechs Prozent KI-Chatbots, um sich über Nachrichten zu informieren – ein Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zu 2025.
Unter denjenigen, die KI-Chatbots für Nachrichten nutzen, gaben 27 Prozent an, der Chatbot sei für die meisten Anliegen ihre erste Anlaufstelle. KI ist im Journalismus eine disruptive Technologie und verändert ihn tiefgehend. Sie leitet aber auch in der Recherche und im Nachrichtenkonsum eine neue Ära ein. Insbesondere jüngere Nutzer:innen verwenden Chatbots als Informationsfilter und zur Einordnung von Nachrichten. Im Allgemeinen überwiegt trotzdem die Präferenz für menschliche Kontrolle bei der Nachrichtenproduktion.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Ergebnisse des Digital News Report zeigen, dass sich die Mediennutzung in Österreich zunehmend auf unterschiedliche Plattformen und Kanäle verteilt. Eine einzelne Maßnahme oder ein einzelner Kanal reicht immer seltener aus, um unterschiedliche Zielgruppen gleichermaßen zu erreichen. Für die Kommunikation ergeben sich daraus drei zentrale Handlungsfelder: das Bespielen der richtigen Kanäle, der Aufbau von Vertrauen und die laufende Anpassung an den technologischen Wandel.
Die Auswahl der Kanäle wird wichtiger und gleichzeitig fragmentierter. Während klassische Medien zwar weiterhin hohe Reichweiten erzielen, informieren sich insbesondere jüngere Zielgruppen immer mehr über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und digitale Plattformen. Inhalte müssen an die jeweilige Nutzungssituation angepasst werden. Das macht die Planung von Unternehmenskommunikation komplexer. Reichweite entsteht nicht mehr automatisch durch Präsenz in einem Medium. Vielmehr braucht es die Kombination verschiedener Kanäle und Formate. Formate, die laufend an Plattformlogiken und Nutzungsgewohnheiten angepasst werden müssen.
Neben der Aufmerksamkeit gewinnt Vertrauen an Bedeutung. In einer Zeit sinkender Medienbindung und wachsender Informationsüberlastung werden glaubwürdige Quellen und transparente Kommunikation wichtiger als reine Reichweite. Gerade Unternehmen können hier einen Vorteil generieren, wenn sie kontinuierlich, nachvollziehbar und verständlich kommunizieren. Relevante und konsistente Inhalte tragen langfristig zum Vertrauensaufbau bei.
Neue technologische Herausforderungen wie Künstliche Intelligenz revolutionieren die Auffindbarkeit von Informationen. KI-gestützte Such- und Antwortsysteme werden zunehmend genutzt, um Inhalte zusammenzufassen, einzuordnen und verständlich aufzubereiten. Unternehmen und Organisationen stehen damit vor der Aufgabe, ihre Kommunikationsmechanik daran auszurichten. Die Frage lautet künftig nicht mehr ausschließlich, ob Inhalte in Suchmaschinen oder Medien gefunden werden, sondern auch, ob sie von KI-Systemen verarbeitet und weitergegeben werden können.
Der Digital News Report zeigt damit nicht nur Veränderungen im Medienkonsum, sondern auch neue Anforderungen an Kommunikationsstrategien. Erfolgreiche Kommunikation wird künftig stärker davon abhängen, Zielgruppen über die passenden Kanäle mit glaubwürdigen und KI-kompatiblen Inhalten zu erreichen. Berücksichtigt man diese Entwicklungen frühzeitig, schafft man eine Grundlage für langfristige Sichtbarkeit und Vertrauen.
Quellen:
Digital News Report 2026. Detailergebnisse für Österreich; Präsentation der neuen Daten & Podiumsdiskussion am 16. Juni 2026 in Wien. PDF und Aufzeichnung der Veranstaltung abrufbar unter www.digitalnewsreport.at
Bild:
KI-generiert mithilfe von ChatGPT
Rückfragen an:
Isabella Hain, BA