Schriftgröße:       Kontrast:       Darstellung:

Die verpassten Chancen der SPÖ

Kritische Analyse und Performance-Vergleich

Wenn die SPÖ die Berichterstattung dominiert, dann mit internen Streitigkeiten. Trotz mehrfacher Regierungskrisen fällt es der Partei sehr schwer, sich medial zu positionieren.

MediaAffairs hat die reichweitenstärksten österreichischen Medien von Anfang Jänner bis Ende April analysiert. In diesem Zeitraum entfallen im Durchschnitt nur 12 Prozent der parteipolitischen Berichterstattung auf die Sozialdemokraten, damit liegt die Präsenz der Partei deutlich unter dem letzten Wahlergebnis von 21 Prozent.

 

Dominiert wird die Berichterstattung mit großem Vorsprung von den Regierungsparteien, die gemeinsam 75 Prozent der Berichterstattung abdecken. Selbst aufgelegte Chancen, die sich durch Versäumnisse bei der Impfstoffbeschaffung oder durch den Ibiza U-Ausschuss geboten hätten, konnte die SPÖ nicht medienwirksam verwerten.

Als im März die Lockdowns im Osten des Landes beschlossen wurden, konnte die SPÖ einen kurzfristigen Präsenzgewinn verzeichnen. Dies lässt sich durch die veränderte Kommunikationsstrategie der Regierung erklären. Die Zustimmung zu scharfen Corona-Maßnahmen ist stark gesunken, daraufhin wurde beim Pandemie-Management verstärkt auf Regionalisierung gesetzt und Verantwortung an die Landeshauptleute delegiert. Der Präsenzgewinn geht daher auch zugunsten der Landeshauptmänner Michael Ludwig und Hans Peter Doskozil, die es in diesem Zeitraum sogar unter die Top-15 der bundespolitischen Player geschafft haben. Rendi-Wagner konnte zwar ebenfalls kurzfristige Zugewinne verzeichnen, blieb von ihrer Performance im Jänner jedoch weit entfernt.

 

 

 

 

 

Rendi-Wagners Präsenz im Vergleich

Anfang des Jahres konnte sich Rendi-Wagner im Vergleich zu den anderen Parteiobleuten mit ihrem thematischen Fokus auf Corona-Eindämmungsmaßnahmen und Impfungen relativ stark positionieren und erreichte einen Anteil von über 30 Prozent. Spätestens ab der fünften Kalenderwoche ist allerdings ein starker Rückgang zu verzeichnen, bis Ende April schwankt ihre Präsenz dann nur mehr zwischen 10 und 20 Prozent.

Bei den Top-15 Playern der Bundespolitik liegt sie als Spitzenkandidatin der zweitstärksten Partei nur auf Platz fünf, hinter Mückstein und vor Kocher. Das macht sie zwar immerhin zur präsentesten Oppositionspolitikerin, an dieser Stelle sollte aber die FPÖ Doppelspitze nicht außer Acht gelassen werden. Zusammengenommen liegen Hofer und Kickl deutlich vor Rendi-Wagner.

 

Die Kritik kommt aus den eigenen Reihen

Rendi-Wagners schärfster Kritiker heißt Doskozil

Das größte Problem der SP-Chefin dürfte allerdings nicht in ihrer Medienpräsenz liegen, sondern im fehlenden internen Rückhalt. Die Auswertung zeigt, dass über 90 Prozent der Kritik an Rendi-Wagner aus ihrer eigenen Partei rührt. Der überwiegende Teil davon geht auf Hans Peter Doskozil und seine Landespartei zurück. Unstimmigkeiten über die Strategie zur Bekämpfung der Pandemie und die defensive Oppositionspolitik der SPÖ mündeten in Konflikte, die medial ausgetragen wurden. Selbst in Interviews sparte der burgenländische Landeshauptmann nicht mit offener Kritik an der Parteichefin. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung bildete der Brief von Doskozil an Rendi-Wagner, in dem er seinen Rückzug aus der Bundespartei bekannt gibt und der Parteichefin eine Kursänderung nahelegt.

 

 

Rückfragen:
Manuel Bonat, BA
m.bonat@mediaaffairs.at

 

Quelle Titelbild: Pixel-Shot, Adobe Stock #435331579

01.06.2021